Kastration ~ Pyometra (Gebärmutterentzündung)
Die Aussage einer Tierärztin:
Unkastrierte Hündinnen bekommen nicht zu 50 % sondern zu 0,8 - 1,2 % Gesäugetumore, es wurde gerade eine neue Studie veröffentlicht.
Es sind nur der größte Teil der Hunde mit Gesäugetumor unkastriert.
Die Häufigkeit der Gesäugetumore sinkt statistisch relevant wenn man vor oder nach der ersten Läufigkeit kastriert, am stärksten vor der ersten Läufigkeit.
Vorteile der Kastration sind die Verminderung der Gesäugetumore, die Vermeidung von Gebärmutterentzündungen und -tumoren (letztere sind bei Hündinnen allerdings selten) und natürlich auch, daß sie nicht läufig werden, außerdem gibt es eine geschlechtshormonverursachte Form von Diabetes mellitus bei Hündinnen.
Die Nachteile sind allerdings auch deutlich und zahlreich: Harninkontinenz (normalerweise ab Cockergröße und stark unterschiedlich häufig je nach Rasse - bei Boxern über 30%), Gewichtsprobleme (sehr häufig und oft auch gesundheitlich bedenklich) und Fellveränderungen. Außerdem natürlich das Operationsrisiko, daß bei korrekt durchgeführter OP aber sehr gering ist.
Diese Probleme treten nach den neueren Untersuchungen auch
bei frühkastrierten Hündinnen auf.
Der Vorteil einer Frühkastration
ist hauptsächlich ein chirurgischer, der Eingriff ist sehr viel kleiner, da alles noch
nicht fertig ausgebildet ist, der Nachteil bei Hündinnen und auch Rüden ist, daß
die Hunde nicht in die Pubertät kommen und mit anderen "normalen" Hunden später
oft Schwierigkeiten bekommen, als Arbeitshunde auch nicht geeignet sind. Es gibt eine neue
aktuelle Umfrage bei Besitzern kastrierter Hunde zu den Auswirkungen der Kastration, Fazit
ist, daß eine Verhaltensbesserung sehr häufig nicht erreicht wird (was auch nicht
wundert, da eine rein geschlechtshormonbedingte Verhaltensproblematik relativ selten ist) und
daß eine Frühkastration keine wirklichen Vorteile bringt (außer in sehr wenigen
speziellen Fällen).
Der Grund für Frühkastrationen in den USA ist tatsächlich die Geburtenkontrolle,
die Situation ist aber nicht mit Deutschland vergleichbar, da in Deutschland die Hunde normalerweise
nicht unbeaufsichtigt herumlaufen. Da ich sehr viel mit dem Tierschutz zusammenarbeite kann
ich definitiv sagen, daß die Geburtenkontrolle beim Hund in Deutschland kein Problem
mehr ist, von einigen wenigen Landstrichen vielleicht mal abgesehen.
Was die Urform unserer Hunde und Wildcaniden angeht:
Wölfe kommen nur einmal im Jahr in die Ranz, es pflanzen
sich unter normalen Bedingungen nur die beiden Ranghöchsten fort und das ganze Rudel kümmert
sich um die Versorgung der Welpen. Deshalb steht dem Familienhund die Fortpflanzung eigentlich
nicht zu, aber: alle Haustiere sind hypersexuell gezüchtet im Vergleich zur Urform, Grund
war die gewünschte schnellere Generationenfolge. Wolfsrüden sind außerhalb
der Ranzzeit nicht befruchtungsfähig, die sozialen Interaktionen zur Vorbereitung dieser
Zeit werden benötigt um den Hormonspiegel anzuheben und befruchtungsfähiges Sperma
zu produzieren, sie interessieren sich außerhalb der Zeit auch nicht für läufige
Hündinnen. Ich denke schon, daß sich manche Rüden aufgrund der angezüchteten
Hypersexualität quälen und es ist dann für mich durchaus auch ein Grund zur
Kastration.
Die anderen Wölfinnen kümmern sich zwar mit um die Welpen, säugen aber normalerweise
nicht, sie bringen Fleisch und spielen Babysitter, die ersten gut drei Wochen verläßt
die Mutter sowieso kaum die Wurfhöhle und danach fangen die Welpen an Fleisch zu fressen,
es wäre also auch nicht notwendig. Die hormonelle Umstellung, die zur Scheinschwangerschaft
führt ist daher zwar normal, nicht aber die starken Auswüchse die manche Hündinnen
zeigen, trotzdem ist es natürlich nicht krankhaft.
Die Nachteile einer Läufigkeitsunterdrückung durch Hormonspritzen sind starke Gewichtszunahme,
Fellveränderungen und ein erhöhtes Risiko von Gebärmutterentzündungen.
Außerdem können sie einen Diabetes mellitus auslösen und in sehr seltenen Fällen
eine Knochenmarksdepression die i.R. tödlich verläuft.
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Als Pyometra (lat. pyos - Eiter, metra - Gebärmutter) wird die eitrige Entzündung der Gebärmutter bezeichnet.
Als Synonyme werden für diesen Begriff daher auch eitrige
Gebärmutterentzündung und purulente Endometritis verwendet. Sie kommt vor allem beim
Hund vor.
Die Ursache für die Erkrankung ist im Ablauf der Brunst des Hundes zu sehen.
Am Ende des Östrus ist das Gebärmuttergewebe aufgrund des Einflusses von Östrogen in seiner Abwehrfähigkeit gegen Keime herabgesetzt.
Gleichzeitig sind jedoch der Muttermund und Gebärmutterhals (Cervix) für Keime noch passierbar.
Es entwickelt sich eine lokale Infektion. Mit dem Ende der Brunst schließt sich die Cervix wieder und die Abwehrkraft der Uterusschleimhaut nimmt zu.
Es kommt zur eitrigen Entzündung. Die gebildeten Sekrete
können die verschlossene Gebärmutter nicht verlassen und sammeln sich in ihr an.
Typischerweise entwickelt sich die Symptomatik der Erkrankung drei bis 8 Wochen nach Ende der
letzten Läufigkeit.
Diese Form wird als geschlossenen Pyometra bezeichnet.
Ebenfalls ein häufiger Auslöser von Endometrititiden ist die Behandlung von Hunden mit gestagenhaltigen Kontrazeptiva ("Pille") zur Verhinderung des Eintritts in die Läufigkeit.
Wenn die Applikation des Medikamentes nicht in der Phase der hormonellen Inaktivität der Hündin (Anöstrus) erfolgt, besteht gleichfalls die Gefahr aufsteigender Infektionen.
Die Ausbildung einer Pyometra ist eine wahrscheinliche Komplikation, wenn der Hündin im Zuge einer Kastration die Eierstöcke nicht vollständig entfernt wurden, sondern hormonell aktives Restgewebe im Körper verbleibt.
Die auftretende hormonelle Störung verursacht fast
zwangsläufig eine dann so genannte Stumpfpyometra.
Symptome
Als typisches Symptom ist das Auftreten von starkem Durstgefühl und vermehrten Harnabsatz (Polydipsie und Polyurie) im entsprechenden Zeitraum zu werten.
Außerdem zeigen betroffene Tiere häufig Apathie und Freßunlust.
Daneben bestehen teilweise Schmerzhaftigkeiten im Bereich des Abdomens, häufig leiden die Tiere zusätzlich an Durchfall und haben eine auffällig vergrößerte Vulva.
Im weiteren Verlauf ist oftmals blutig-eitriger, teils übelriechender Vaginalausfluß feststellbar - es hat sich eine offene Pyometra ausgebildet.
Tiere mit dieser Form der Erkrankung säubern sich für den Beobachter auffällig häufig den Genitalbereich durch Belecken.
Die Diagnose kann meist schon anhand der klinischen Symptomatik erfolgen, die endgültige Abklärung erfolgt mittels Sonografie oder Röntgenuntersuchung.
Bei der Blutuntersuchung zeigen sich häufig eine Leukozytose mit Linksverschiebung und erhöhte Harnstoffwerte.
In einem Großteil der Fälle sind im abfließenden
Sekret Bakterien, hier vor allem E. coli, Staphylokokken und Streptokokken nachweisbar.
Therapie
Zur Zeit bestehen zwei erfolgversprechende Therapieansätze.
Die klassische Behandlung, welche nach wie vor als Methode der Wahl angesehen wird, besteht in der Kastration inklusive Entfernung der Gebärmutter (Ovariohysterektomie).
Vorteil dieser Behandlungsmethode ist die sichere Entfernung der Ursache der Erkrankung.
Nachteile sind die beim Hund bekannten Nebenerscheinungen von Kastrationen:
Neigung zur Harninkontinenz, Fellveränderungen und Adipositas.
Daneben ist besonders für Züchter der Verlust
der Fortpflanzungsfähigkeit ihres Tieres zu verschmerzen.
Als neue Methode hat sich in den
letzten Jahren der Einsatz von Antigestagenen (Aglepriston) etabliert.
Hierbei kommt es durch das eingesetzte Medikament zur Öffnung und Selbstreinigung der Gebärmutter.
Nachteil dieser Methode ist die Tatsache, daß eine
Sonderform der Gebärmutterentzündung, die glandulär-zystische Endometritis,
auf diese Therapie nicht reagiert.
Bei beiden Behandlungsformen ist eine parallele Antibiotikagabe über einen längeren
Zeitraum notwendig.
Üblicherweise werden hier pauschal Amoxicillin/Clavulansäure - Kombinationen oder Gyrasehemmer verwendet.
Je nach Allgemeinbefinden des erkrankten Tieres steht vor
einer Therapie die Stabilisierung des Zustandes, gegebenenfalls durch Infusionen und Intensivbehandlung.
Die sichere Prophylaxe einer Pyometra ist nur durch Kastration des Tieres zu erreichen.
Bleibt die Hündin unkastriert, sollte auf die Applikation
von hormonell wirksamen Verhütungsmitteln verzichtet werden.
Komplikationen
Die Hauptkomplikation der Erkrankung ist in der Zerreißung des Organs in der Bauchhöhle zu sehen.
Diese tritt fast zwangsläufig ein, wenn der Patient nicht operiert wird, kann jedoch auch eine Folge der Manipulation des Uterus unter der Operation sein.
Aus dem entstandenen Riß in der Gebärmutterwand ergießen sich Teile des kontaminierten Eiters in das Abdomen.
Kann der Defekt vom großen Netz abgedeckt werden, kommt es lediglich zu einer lokal begrenzten Bauchfellentzündung, bei Verteilung des Erregermaterials über den gesamten Bauchraum ergreift die Infektion jedoch die gesamte Bauchhöhle.
Es bildet sich ein akutes Abdomen aus. Dieses bedarf schnellstmöglicher
chirurgischer Behandlung, um das Leben des Tieres zu erhalten.
Eine weitere Komplikation ist die Schädigung des Organismus durch toxische Stoffwechselprodukte
der im Eiter enthaltenen Bakterien (Endotoxine), welche vor allem Nieren- und Lebergewebe nachhaltig
schädigen können.
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